Tschüss Bax Banni 

 

 

Als 1996 unser damaliges Voltigierpferd, unser „Risiko“ (er hieß so und war es), zu klein für die Gruppe wurde und seine Reitbeteiligung ihn gerne kaufen wollte, gingen wir auf die Suche.

 

Paul Leitner fragte mich:           Was sucht ihr denn?,

Ich antwortete:                  Einen Wallach, 5-7 Jahre alt, ca. 1,70 m groß, gute Galoppade, brav im Umgang mit den Kindern.

Paul Leitner:                   Habe ich im Stall!

 

?????

 

Ich fuhr hin und tatsächlich. Da stand er: 5 Jahre alt, schwarz-braun, große Augen, verschmust.

So kam er zu uns. Zuerst 3 Wochen auf Probe. Dann kam der Vorstand um mit sachkundigem Blick zu beschließen: wir kaufen ihn.

Unsere steile Karriere begann. Unser höchster Leistungsstand war unsere D-Gruppe. Aber das sollte sich schnell ändern. Es kamen damals ein paar glückliche Umstände zusammen. Bax Banni brauchte praktisch keine Ausbildungszeit, er war immer weiter als seine Gruppe. Und im gleichen Sommer kam Agnes Wehrhahn als „Privatfrau“ auf den Heiderhof. Ihr erster Eindruck von Bax Banni: er ging mir beim Training auf dem Springplatz laufen. Originalzitat von Agnes das: „das darf der nicht, der Lump, der ist nur frech“. Also fingen wir an ernsthaft zu arbeiten. An der Longe war er (fast) immer ein zuverlässiger Partner. Untern Sattel als Reitpferd nicht so sehr. Verschiedene Reitbeteiligungen, einschl. der Reitausbilder, bissen sich an ihm die Zähne aus. „Denn reit ich immer nur mit Peitsche o d e r Gerte, nie mit beidem, der ist so stur der geht durch die Wand.“  Eine Reitbeteiligung holte sich mal eine blutige Nase. „Wenn die vorne zieht, steige ich eben ein bisschen, mal sehen wer zuerst aufgibt.“ Die Reitbeteiligung gab auf.

 

Als wir nach nur einem halben Jahr zum ersten mal auf ein Turnier gingen hatte Bax schon gelernt Pflicht und Kür brav zu tragen und auch sonst konnte ihn nichts beeindrucken. Dachten wir! Als wir auf dem Turnierplatz ankamen, eine bisschen spät, weil keiner die Karte richtig lesen konnte, Bax am Stallhalfter aus dem Hänger laden wollten, war er schon fast weg. Ein hilfsbereiter Vater einer anderen Gruppe hinderte in daran zu Fuß nach Hause zu gehen. In seiner ersten Prüfung zeigte er sich doch ziemlich beeindruckt von so vielen Leuten und der bunten, lauten Halle. Er versuchte während der ganzen Prüfung seine Voltigierer loszuwerden. Fast wären wir abgeklingelt worden. Aber wir waren lernfähig. Bax wurde nun  i m m e r mit Trense auf- u. abgeladen und es gab Bachblüten. Aber auch Bax lernte die versch. Situationen richtig einzuschätzen. Er ging mit seinen Voltigieren in jede Halle. Egal ob  groß, laut und bunt oder klein, eng und heiß.

 

Ich konnte ihn auf einer 8 m Volte ablongieren. Wenn der Zirkel zu eng wurde, weil die Zuschauer immer dichter kamen, genügten 10 cm mehr Longe und Bax schob die Zuschauer freundlich aber bestimmt zur Seite. Wenn mal wieder Taschen, Trainingsanzüge, Turnschuhe und Schläppchen  so dicht am Zirkelrand lagen das man an und für sich gar nicht mehr longieren konnte, ich schon die Befürchtung hatte das der Bax gleich die Turnschuhe anhat, egal, wenn ablongieren dann aber richtig. Weil es draußen in strömen regnet mussten alle auf einem zu kleinen Zirkel ablongieren, da musste man sich auch schon mal behelfen und 2 Pferde zusammen auf einem Zirkel longieren. Wo war das Problem? Siegerehrungen, er genoss es. Vor allem wenn er ganz weit vorne stand. Er hatte alle Abzeichen im Voltigiersport mit seinen Voltis bestanden. Kleines u. großes Hufeisen, kleines bronzene Voltigierabzeichen, großes bronzenes und silbernes Voltigierabzeichen, kleines bronzenes u. großes bronzenes Longierabzeichen. In jeder Prüfung kämpfte er für seine Voltis.

 

Aber es gab auch den anderen Bax! Bax während des Unterrichts freilaufend in der Halle, weil eine Tür zuviel, Bax freilaufend mit kompl. weißer Ausrüstung, wedelnder weißer Longe in Paderborn auf dem riesigen Springplatz. Voltigierer mit verbrannten Händen, weil Bax mal wieder beim führen Gas gab und die Anne die Longe nicht loslassen wollte. Wer war noch Schuld an Beates gebrochenem Finger? Wer hatte der Miriam den Fingernagel abgerissen beim Leckerli füttern? Wieso fehlte Barthel nach dem füttern ein Ärmel im Hemd? Wieso buckelt er im Schlusstraining vor einem Turnier die Dreierübung mit Hanna Marcus als Obermann runter und ich überlegte, als sie noch im freien Flug abwärts war, wie leistet man erste Hilfe bei Genickbruch? Nein, das konnte er wirklich nicht gewesen sein. Wer so wie er guckt tut so was nicht.

 

Bax Banni ist d a s Voltigierpferd wie ihn jeder Verein sucht. Immer lieb, immer zuverlässig. Egal ob die großen Voltigierer auf ihm turnen oder unsere Krümel auf ihm turnen. Er lässt alle Kinder mit zufriedenen Gesichtern nach Hause gehen. Nicht nur die Voltigierer, sondern auch diverse Eltern, Geschwister und Bekannte die sich plötzlich trauten ein Pferd zu streicheln oder sogar mal festzuhalten. Er war maßgeblich am Aufstieg der A-Gruppe beteiligt. Zeitweise ging er mit 2 Turniergruppen auf Reise. Er ging mit den Einzelvoltigierern und den Doppelpaaren aufs Turnier. 3 mal wurden wir mit ihm für den Fünf-Länder-Kampf nominiert.

Er ging mit den Minis auf Gruppentreffen. Auf vielen Schauvorführungen, z.B. auf dem Reitturnier in Wevelinghoven, auf dem Sommerfest im Niederländischen Sittart, zuletzt auf dem Sonnenblumenmarkt in Rommerskirchen, demonstriert er mit seinen Voltis was unseren Sport ausmacht. Immer war er ein auffallendes Pferd. Oft bekam ich Angebote ihn zu verkaufen, sozusagen ihn gleich auf dem Turnierplatz in einen anderen Hänger zu stellen. Wenn wir alle Voltigierer zusammen holen würden, die auf Bax voltigiert haben, könnten wir die Halle am Heiderhof sicher bis auf den letzten Platz besetzten.

 

Leider kamen mit den Jahren auch gesundheitliche Probleme. Voltigieren ist ein anstrengender Beruf für ein Pferd. Er ging im letzten Jahr noch mit unseren kleinen Voltigierer auf Gruppentreffen und wir suchten in der Zwischenzeit schon nach einem Nachfolger. Für die A-Gruppe kam schon vor 3 Jahren unser Fil hinzu und in diesem Frühjahr haben wir dann endlich eine Nachfolgerin für ihn gefunden. Unsere Florabelle wird nun ausgebildet für die Einzelvoltigierer  und für 2 Nachwuchsgruppen.

 

Bax Banni steuert nun seine 2. Karriere an. Er wird ab Sonntag, dem 1.7.2007, Freizeitpferd (Rentner will er nicht hören) bei Anne Drewes. Anne kam nach der Öffnung der Mauer als Voltigierkind zu uns. Sie war von Anfang an in den Bax verliebt und hat nie einen Zweifel daran gelassen, das er nach der Verabschiedung aus dem Voltigiersport zu ihr kommt. Nun ist es also so weit. Ich wünsche beiden viel Spaß und dem Bax natürlich noch viele schöne Jahre in seinem neuen Leben. Ich weiß das er es bei Anne sehr gut haben wird, aber es fällt mir unendlich schwer ihn gehen zu lassen.

 

Christel

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